Konstanz in der Honorarberechnung nach SIA im Verlauf der Jahrzehnte

Um die Jahrtausendwende hat es im Bereich der Ermittlung von Planerhonoraren nach SIA einen Aufbruch Richtung neue Vertrags- und Honorarformen gegeben, der mit grossen Visionen verbunden gewesen ist. Am klarsten zeigt sich dies am Leistungsmodell, das in den Neunzigerjahren entwickelt worden ist. Es hat sich unter anderem ausgezeichnet durch einen projektbezogenen Leistungsbeschrieb und eine bausummenunabhängige Honorierung.

Von diesen kühnen Zielen ist nicht viel erreicht worden. Der projektbezogene Leistungsbeschrieb ist nur noch am Rande ein Thema, und die nicht bausummenabhängige Honorierung meines Wissens gar keines mehr. Man ist nicht weit davon entfernt, wo man immer gewesen ist: beim standardisierten Leis­tungsbeschrieb ge­mäss den SIA-Honorarordnungen 102 ff., und insbesondere bei der bausummenabhängigen Honorierung. Das Pendel hat also ab etwa 1995 weit ausgeschlagen, angestossen mindestens zum Teil von der Wettbewerbskommission des Bundes (WEKO). Seither ist es in seinen Bewegungen sehr viel ruhiger geworden und oszilliert mehr oder weniger wieder an der alten Stelle.

Ein mit der Materie nicht besonders vertrauter Aussenstehender würde sich verwundert die Augen reiben und kaum einen Unterschied feststellen, wenn er die historische Honorarberechnung nach SIA aus dem Jahr 1984 mit der aktuellen von 2014 vergleichen würde. Sogar die Bezeichnung für die wichtigste Form der Honorarermittlung ist in 30 Jahren fast gleich geblieben: Früher hat man vom «Kostentarif» gesprochen, heute von der «Honorarberechnung nach den aufwandbestimmenden Baukosten». Den Begriff «Zeitaufwandmodell» fin­det man höchstens am Rande.

Verblüffend ist die Beharrlichkeit, mit der man an den Baukosten als Basis der Honorarberechnung festhält. Unverändert wird bis ins Detail beschrieben, wie die massgebenden Baukosten zu ermitteln seien. Ein Beispiel sind die Aussagen, wie mit Skontobeträgen umzugehen sei, die bei der Schlussabrechnung abgezogen werden sollen.

Für das durchschnittliche Planungsbüro hat sich somit bezüglich der Honorarermittlung gegenüber der Zeit vor 2003 kaum etwas geändert. Ziemlich mechanisch wird die (etwas komplizierter gewordene) Formel angewendet, auch wenn man sie in seltenen Einzelfällen nicht genau versteht. Man hat mit der Zeit gelernt, welche Stundenansätze man einsetzen muss, um auf ein Honorar zu kommen, mit dem man leben kann. Der ermittelte durchschnittliche Zeitaufwand Tm gemäss Formel wird vermutlich nur von einem Teil der Planungsbüros kritisch hinterfragt und allenfalls mit dem Teamfaktor i korrigiert.


Dieser Text ist in leicht bearbeiteter Form meinem Buch «Bauplanerhonorare – Ratgeber für Bauherren» entnommen (Jahr 2017), und zwar aus Kapitel 9 «Bilanz zur aktuellen Honorarformel», Seite 120.
Nähere Angaben zum Buch befinden sich hier >>>

Ursprünglicher Titel des Textes: «Was hat sich für die Planer bei der Honorarkalkulation geändert?»


Dieser Blog enthält Dutzende von Fachbeiträgen, die sich primär an Bauherrschaften richten. Sie sind gegliedert nach Sachgebieten. Die beiden wichtigsten Themenbereiche sind «Honorarfragen» und «Bauen mit einem Architekten». Benutzen Sie das Menu, um zu der Fragenkategorie zu gelangen, die Sie besonders interessiert. – Hans Röthlisberger, Bauherrenberater, Gwatt (Thun) 


 

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