Vertragsfragen bei Typenhäusern

Unter einem Typenhausvertrag verstehen wir die Bestellung eines kompletten Wohngebäudes im Werkvertrag zu einem festen Preis. Es handelt sich somit um ein generalunternehmer-ähnliches Beschaffungsverfahren.

Anders als man es vielleicht vermuten könnte, ist es für den Bauherrn nicht besonders einfach, einen derartigen Vertrag abzuschliessen. Es gibt drei Gründe, wieso ein Typenhausvertrag für den Bauherrn eine Herausforderung darstellt.

Erstens geht es um sehr viel Geld. Ein Typenhausvertrag ist vermutlich der grösste Vertrag, den die meisten Gelegenheitsbauherren in ihrem Leben abschliessen.

Zweitens gibt es für dieses Marktsegment keinen allgemein anerkannten und weit verbreiteten Mustervertrag. Jeder Vertrag ist anders aufgebaut, und einige unter ihnen kommen in ziemlich handgestrickter Form daher. Gelegentlich fehlt auch die Ausgewogenheit, welche beispielsweise den VSGU-Mustervertrag für grosse GU-Projekte auszeichnet.

Drittens hat der Bauherr keinen Berater, der ihn berät beim Abschluss des Vertrages. Während bei grossen GU-Projekten der Bauherr oft vom Architekten in Vertragsfragen unterstützt wird, hat der Bauherr bei Typenhäusern meistens überhaupt keinen sachkundigen Berater, der vorbehaltlos seine Interessen wahrnimmt. Er verfügt zwar über einen Ansprechpartner bei der Typenhausfirma. Dessen Stellung ist aber gelegentlich etwas dubios. Er hat nicht den Status eines Treuhänders für seinen Bauherrn. Er ist mehr ein Verkäufer und  darum auch an seiner Provision interessiert. Dies kann zu Interessenkonflikten führen, die sich negativ für den Bauherrn auswirken können.

Das Typenhausmodell erscheint für den Bauherrn ein kaum risikobehaftetes Realisierungsmodell zu sein. Das ist auch nicht ganz falsch: Er bekommt die ganze Leistung aus einer Hand, und der Preis des Bauwerks ist garantiert. Den Abschluss des Vertrages dagegen würde ich nicht als einfach und risikolos einstufen.


Textgeschichte

Dieser Text ist die leicht bearbeitete Fassung einer Kolumne von mir, die im Dezember 2014 in der Zeitschrift «intelligent bauen» (Fachkom GmbH, Langnau a.A.) erschienen ist (Seite 57). Die Kolumne basiert auf einer umfassenderen Darstellung des Themas in meinem Buch «Mit wem baue ich? – Bauausführung aus Bauherrensicht» (Jahr 2013). Siehe dazu das Kapitel 12 «Typenhäuser» ab Seite 359.
Näheres zum Buch hier >>>


Dieser Blog enthält Dutzende von Fachbeiträgen, die sich primär an Bauherrschaften richten. Sie sind gegliedert nach Sachgebieten. Die beiden wichtigsten Themenbereiche sind «Honorarfragen» und «Bauen mit einem Architekten». Benutzen Sie das Menu, um zu der Fragenkategorie zu gelangen, die Sie besonders interessiert. – Hans Röthlisberger, Bauherrenberater, Gwatt (Thun) 


 

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