Von Kostenüberschreitungen

Lesedauer ca. 2 Minuten


Bei der traditionellen Methode der Projektrealisierung (also bei der Bauausführung durch Einzelunternehmer unter der Bauleitung durch beauftragte Planer) ist es nicht so selten, dass die Bauherrschaft im Verlauf der Bauarbeiten mit Kostenüberschreitungen konfrontiert wird. Das Phänomen tritt dabei keineswegs nur bei schmalbrüstigen Planungsbüros auf, sondern durchaus auch bei Firmen, die etablierten Berufsverbänden angehören.

Wenn man sich nun etwas genauer mit den Gründen dieser Mehrkosten befasst, trifft man auf drei Ursachen. Erstens stellt man fest, dass es Arbeitsgattungen gibt, bei denen die notwendigen Bauleistungen nur mangelhaft erfasst sind. Bei einzelnen Positionen sind die erforderlichen Mengen zu tief ausgewiesen, an einzelne Teilleistungen hat man gar nicht gedacht.

Ein zweiter Grund sind Mängel im Gesamtaufbau des Kostenvoranschlags. Die Schnittstellen sind nicht sorgfältig genug festgelegt. Resultat sind fehlende Kostenpositionen an den Schnittstellen von Arbeitsgattungen. Es kann auch sein, dass gewisse Leistungsbereiche wie Provisorien oder Betriebseinrichtungen fehlen.

Eine dritte Ursache schliesslich ist ein Unterschätzen der Risiken, beispielsweise des Baugrundes. Es fehlen die notwendigen Reserven im Kostenvoranschlag, um die Risiken in ihrem effektiven Ausmass abdecken zu können.

Meist kein entscheidender Auslöser für Kostenüberschreitungen sind dagegen unterschätzte Preise von Bauleistungen. Es ist also nicht so, dass die Bauherrschaft die einzelnen Arbeitsgattungen nicht zu den Preisen vergeben kann, zu denen sie im Kostenvoranschlag eingesetzt sind.

Nicht der Markt ist somit primär verantwortlich für die Kostenüberschreitungen, sondern die Fachleute, die vorgängig die Kosten ermittelt haben. Das Kostenrisiko beim Bauen ist also mehrheitlich menschenbedingt und nicht marktbedingt.


Textgeschichte

Dieser Text ist die leicht bearbeitete Fassung einer Kolumne von mir, die im Oktober 2014 in der Zeitschrift «intelligent bauen» (Fachkom GmbH, Langnau a.A.) erschienen ist (Seite 74). Die Kolumne basiert auf der umfassenderen Darstellung des Themas in meinem Buch «Mit wem baue ich? – Bauausführung aus Bauherrensicht» (Jahr 2013). Besonders sei auf folgenden Abschnitt hingewiesen: «Zur Genauigkeit des Kostenvoranschlags»  (Seite 48 ff.).
Näheres zum Buch hier >>>

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Dieser Blog enthält Dutzende von Fachbeiträgen, die sich primär an Bauherrschaften richten. Sie sind gegliedert nach Sachgebieten. Die beiden wichtigsten Themenbereiche sind «Honorarfragen» und «Bauen mit einem Architekten». Benutzen Sie das Menu, um zu der Fragenkategorie zu gelangen, die Sie besonders interessiert. – Hans Röthlisberger, Bauherrenberater, Gwatt (Thun) 


 

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